The Farm
Feld an Feld, rechtwinklig angeordnet, total flach: So habe ich mir Nathans Landwirtschaftsbetrieb vorgestellt. Die Realität sah dann ziemlich anders aus: Ein wellige Landschaft, unterbrochen von zahlreichen Hecken, Wäldern und Gewässern. Die Grenzen der Felder folgen mehr den natürlichen Gegebenheiten als die der meliorierten in der Schweiz. Die Farm befindet sich in Urich, einer 500-Seelen-Gemeinde etwa eine Autostunde südlich des Wohnsitzes der Familie in Kansas City. Wobei sowohl Gebäude als auch Felder keineswegs kompakt beieinander stehen. Vom Wohnhaus fährt man fünf Minuten bis zum Ort, wo die Maschinen und die Silos stehen. Der Maschinenpark ist beeindruckend. Für Schweizer Verhältnisse sind die Traktoren und Landmaschinen riesig. Bis zu zwölf Reihen Mais kann man mit ihnen säen. Nathan setzt auf die deutschen Marken Claas und Fendt, weil deren Wartung praktischer ist, wie er mir erklärt, während er den Mähdrescher entlang den Reihen der Maispflanzen steuert. Während die Maschine die dürren Halme niedermäht, zeigt der Bildschirm laufend den Ertrag und dessen Feuchtigkeitsgrad an. Dieses Jahr ist leider ein schlechtes Jahr für die Farm. Auf seinen 8000 Hektaren Land (entspricht 11’200 Fussballfeldern oder 400 mal der Durchschnittsgrösse eines Schweizer Bauernbetriebs) Nathan pflanzt hauptsächlich Mais und Soja an, zwischendurch noch etwas Winterweizen. Das Wetter war dieses Jahr ungünstig, es war zu nass im Frühling. In einem Spitzenjahr wäre der Ertrag pro Fläche doppelt so hoch gewesen. Obendrauf kommen noch die neuen Zölle. Sie verteuern einerseits den Import von Maschinen und Ersatzteilen. Andererseits machen sie die Preise für Soja kaputt. Tofuproduzenten in China und anderen asiatischen Staaten waren bislang die Hautabnehmer für Nathans Soja. Im Zuge des Handelsstreits haben sie Gegenzölle für Waren aus den USA eingeführt. Da bleibt nur die Hoffnung, dass möglichst bald wieder günstigere Winde wehen!


