Crazy! Crazy! Crazy!

Einerseits ist Las Vegas schon zum Verrücktwerden, andererseits übt es auf mich auch eine magische Anziehungskraft aus. Es begann schon kurz nach Pahrump, fast 100 km von der Spielermetropole entfernt. Nachdem wir den Sonnenuntergang am Dante’s Point im Tal des Todes erlebt hatten, dunkelte es ein. Nach einer Stunde Autofahrt wunderte ich mich, dass der Himmel am Horizont immer noch erhellt war. Noch irritierender wurde es, als ich merkte, dass die Himmelserscheinung gar nicht im Westen leuchtete, sondern im Osten. Irgendwann dämmerte es mir dann: Das müssen die Lichter von Las Vegas sein! (Das Handyfoto unten wurde aus ca. 30 km Entfernung aufgenommen: Obwohl verwackelt, sieht man darauf gut die Helligkeitsdifferenz der Lichtglocke gegenüber dem dunklen Himmel).
Nach der Stille und der Kargheit des Todestales waren Lichtertanz und Geräuschkarusell, Autoreigen und Menschengewusel, Vergnügungsangebote und Glücksverheissungen in Las Vegas einfach zu überwältigend. Ich fühlte mich wie auf Speed. Nur damit es klar ist: Dies einfach wegen der Atmosphäre, denn gespielt haben wir nicht (und auch sonst nichts Abartiges konsumiert). Ich wollte immer mehr und mehr sehen, in diese Märchenwelten eintauchen und abwechselnd wieder die Haltung des distanziert-kritischen Beobachter einnehmen, der dieser skurrilen Scheinwelt mit einem ironischen Lächeln begegnet. Denn ja, die Kulissen eines Bellagio, Venetian oder Paris sind grandios, aber schon ein paar Meter abseits des „Strip“, des berühmten Hotel- und Spielcasino-Boulevards kommt die Natur von Las Vegas als unspektakuläre, ja fast provinziell wirkende Grossstadt zum Vorschein – mit all ihren Problemen wie Armut, Obdachlosigkeit und den vielen Unorten.
Am Ende sagten wir uns dann: Es war schön, aber auch wieder schön, weiterzugehen.