Let’s dance tonight!
Kaum zu glauben: Wir sind heute Mittwoch, 27. August, bereits seit zwei Tagen auf der Queen Mary und haben uns bereits bestens ans Schiffsleben gewöhnt. Das Interieur des königinnenhaften Schiffsbist atemberaubend. Imposante Eingangshallen im Art-Deco-Stil mit viel glänzendem Chrom, Teppichen mit ausgefallenen Mustern, Mahagoni, geschwungenen Treppenhäusern und riesigen Kronleuchtern. Jeder einzelne Raum, ob Restaurant, Hallenbad, Terrasse-Pool, Bibliothek, diverse Bars: alles ist liebevoll und mit viel Charakter und Stil ausgestaltet. Man fühlt sich wie zu Zeiten der roaring 1920ties, als die Vorbilder dieser imposanten Passagierschiffe in Betrieb waren. Highlights unseres ersten Tags an Bord (Dienstag): sehr spannender Vortrag eines „Die Zeit-Journalisten“ über Trump und seine Wähler. Wer sind die Menschen, die Trump wählen, oft bereits schon dreimal (2016, 2020 und 2024?). Anhand von 6 Porträts über unterschiedliche Trump-Wählerinnen und -Wähler, versucht der Journalist, der als USA-Korrespondent 7 Jahre lang in den USA lebte, uns das Phänomen näher zu bringen, wieso Menschen diesen verrückten, kriminellen, wankelmütigen und unloyalen Menschen zum Präsidenten wählen. Es sind Menschen, die ländlich wohnen, die sich oft von den urbanen Demokraten im Stich gelassen fühlen, obwohl sie früher demokratisch wählten. Ihre Biographien lassen teilweise nachvollziehen, wieso sie den heilsverkündenden Versprechen dieses Mannes blind vertrauen – weil ihre aktuellen Lebensumstände harsch geworden sind. Nach der Politik besuchen wir einen Crash-Kurs in Gesellschaftstanz: Heute ist Jive angesagt. Nicht gerade einfach für blutige Anfänger wie wir. Doch wir haben Spass daran – und Markus übt nach der Lektion, die etwas gar rasant für ihn war, in Ruhe auf dem Zimmer weiter und macht schon grosse Fortschritte. Nach dem gediegenen Mittagessen in unserem Restaurant „Britannia“ gönne ich, Katharina, mir ein Mittagsschläfchen. Danach geht’s auf zum Afternoon-Tee mit Life-Piano Minisandwiches, Scones und assortierter Patisserie. Danach flaniere ich ein bisschen durch die teuren Geschäfte (ein Goldkettchen mit erlesenem Edelstein kostet schlappe 157’000 Dollar…) und lande schliesslich am Schminktisch eines Make-up-Artists, der mich für ein Trinkgeld (eigentlich kostenlos) schmikt. Das kommt mir für den ersten Gala-Abend gerade recht. Und dann wirft sich das ganze Schiff in Schale: Glitzernde Kleider, dunkle Anzüge. Doch man sieht auch solche, die sich nicht sonderlich Mühe gegeben haben und – obwohl eigentlich nicht erwünscht – in Jeans oder gar Shorts zum Abendprogramm erscheinen. Wir lassen uns jedoch von dem eleganten Ambiente verzaubern. Geniessen ein tolles Jazz-Konzert in einer gediegenen Bar und wechseln danach in den Tanzsaal, wo einige begabte Paare übers Parkett wirbeln. Doch es lässt sich auch ganz locker solo tanzen. Die Sängerin mit Band verströmt gute Laune und gefällt uns, so dass wir auch zum einen oder anderen Song das Tanzbein schwingen…